Rechtliche Orientierung für den Alltag.Verstehen. Einordnen. Handeln.

Phishing und Kontomissbrauch: Sofortmaßnahmen und Ansprüche

Bei verdächtigen Kontobewegungen oder preisgegebenen Bankzugangsdaten ist schnelles Handeln wichtig. Kontaktieren Sie die Bank über unabhängig ermittelte offizielle Wege, lassen Sie betroffene Zugänge beziehungsweise Zahlungsinstrumente sichern und melden Sie nicht autorisierte Zahlungen.

Zugriff begrenzen

Nutzen Sie keine Telefonnummer oder Links aus der verdächtigen Nachricht. Sichern Sie auch das E-Mail-Konto, wenn darüber Passwörter zurückgesetzt werden können. Ändern Sie kompromittierte Zugangsdaten über einen vertrauenswürdigen Zugang und prüfen Sie weitere betroffene Dienste. Dokumentieren Sie Zeitpunkt und Inhalt der Meldung an die Bank.

Zahlung rechtlich einordnen

Bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen sieht § 675u BGB grundsätzlich eine Erstattung durch den Zahlungsdienstleister vor. Ob tatsächlich keine Autorisierung vorlag, muss geprüft werden. Eine durch Täuschung selbst veranlasste Überweisung kann andere Fragen aufwerfen als eine ohne Zustimmung ausgelöste Zahlung.

Haftung und Beweisfragen

§ 675v BGB enthält Regeln zur missbräuchlichen Nutzung, begrenzter Haftung und möglichen weitergehenden Folgen bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Auch starke Kundenauthentifizierung und der Zeitpunkt der Sperranzeige sind relevant. Eine technisch erfolgreiche Authentifizierung beantwortet nicht automatisch jede rechtliche Frage.

Unterlagen sichern

Bewahren Sie Nachrichten, angezeigte Freigabetexte, Kontoauszüge und die Chronologie auf, ohne Geheimdaten öffentlich weiterzugeben. Eine Strafanzeige kann zur Aufklärung beitragen, ersetzt aber die Anspruchsanmeldung bei der Bank nicht. Verlangen Sie bei Ablehnung eine konkrete Begründung und lassen Sie Melde- und Ausschlussfristen zeitnah prüfen.

Dieser Beitrag erläutert allgemeine Zusammenhänge. Eine individuelle Prüfung hängt insbesondere von Unterlagen, Sachverhalt und Fristen ab.